Hygiene ist kein Extra im Kosmetikstudio — sie ist die Grundlage der Arbeit. In diesem Kapitel erklären wir den Unterschied zwischen Reinigung, Desinfektion und Sterilisation, zeigen die wichtigsten Geräte (Autoklaven, Ultraschallreiniger) und die Regeln des Arbeitsschutzes, die Sie und Ihre Kundinnen jeden Tag schützen.
1. Reinigung, Desinfektion, Sterilisation — drei verschiedene Dinge
Reinigung ist das mechanische Entfernen von Schmutz, Fett und Rückständen — mit Wasser, Seife oder Reinigungslösung. Sie reduziert die Zahl der Mikroorganismen, tötet sie aber nicht zuverlässig ab.
Desinfektion ist die Abtötung oder Inaktivierung der meisten krankmachenden Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) auf Oberflächen, Haut oder Instrumenten — mit chemischen Mitteln, meist auf Alkoholbasis oder mit Wirkstoffen wie Chlorhexidin oder quaternären Ammoniumverbindungen. Die Desinfektion tötet jedoch nicht zuverlässig bakterielle Sporen ab.
Sterilisation ist die vollständige Vernichtung aller Mikroorganismen einschließlich ihrer Sporen. Sie gelingt nur physikalisch — durch Hitze (Dampf oder trockene Luft) — oder industriell durch Strahlung. Steril ist ein absoluter Zustand: Ein Instrument ist entweder steril oder nicht.
2. Womit desinfizieren wir?
Für die Hände werden alkoholische Händedesinfektionsmittel (auf Basis von Ethanol, Propanol oder Isopropanol) verwendet — sie wirken innerhalb von 30 Sekunden und sind hautverträglich. Für Flächen (Liege, Arbeitsflächen, Gerätegehäuse) eignen sich alkoholische Schnelldesinfektion oder Wischdesinfektion mit geprüften Wirkstoffen. Instrumente, die nicht autoklaviert werden können, werden in Instrumentendesinfektionslösungen eingetaucht.
- Hände: alkoholisches Händedesinfektionsmittel — vor und nach jeder Kundin und nach jedem Handschuhwechsel
- Flächen und Liege: alkoholische Schnelldesinfektion nach jeder Behandlung
- Instrumente: Desinfektionsbad — Einwirkzeit und Konzentration nach Herstellerangabe, danach abspülen und trocknen
- Haut der Kundin vor nadelnden Verfahren: hautverträgliches, wirksames Hautantiseptikum
3. Womit sterilisieren wir? Autoklave und Sterilisatoren
Die sicherste Methode im Studio ist der Dampfautoklav: gesättigter Wasserdampf unter Druck bei 121 °C (ca. 20 Minuten) oder 134 °C (ca. 3–5 Minuten) zerstört zuverlässig alle Keime und Sporen. Dampfautoklave werden in Klassen eingeteilt: Klasse N für einfache, unverpackte, massive Instrumente; Klasse S für bestimmte vom Hersteller freigegebene Güter; Klasse B — der Standard in der Medizin und auch im Studio empfohlen — für alle Instrumente, auch hohle und verpackte.
Alternativ gibt es Heißluftsterilisatoren (trockene Hitze bei 160–180 °C über 30–120 Minuten). Sie eignen sich für hitzebeständige Metallinstrumente, brauchen aber deutlich länger und höhere Temperaturen als Dampf.

4. Die richtige Aufbereitung von Instrumenten Schritt für Schritt
Am Beispiel der Pinzette nach der Augenbrauenkorrektur: Es reicht nicht, das Instrument nur kurz mit Alkohol abzusprühen. Die korrekte Aufbereitung besteht aus mehreren Stufen:
- 1. Reinigung: Rückstände mechanisch entfernen — ideal in der Ultraschallreinigungswanne mit Desinfektionslösung; die Kavitation löst Verschmutzungen auch aus Gelenken und Rillen
- 2. Desinfektion: Eintauchen in ein Instrumentendesinfektionsbad (Einwirkzeit beachten), danach mit sauberem Wasser abspülen und vollständig trocknen
- 3. Sterilisation: am besten im Dampfautoklaven (Klasse B) oder im Heißluftsterilisator — danach sind die Instrumente steril und bis zum Gebrauch verpackt lagerfähig

5. Arbeitsschutz (BHP) im Kosmetikstudio
Der wichtigste Grundsatz: Wir behandeln jede Kundin so, als wäre sie potenziell infektiös. Wir dürfen — und müssen — nicht fragen, ob jemand HIV, HBV oder HCV hat; die Antwort ändert ohnehin nichts an unserem Verhalten. Denn die Vorsichtsmaßnahmen sind immer dieselben. So schützen wir uns selbst und gleichzeitig jede nachfolgende Kundin.
- Arbeiten Sie grundsätzlich mit Einmalhandschuhen — besonders bei der Ausreinigung (Ausreinigung der Haut), wo Blut und Wundsekret austreten können
- Blutet die Haut der Kundin bei der Ausreinigung stärker, unterbrechen Sie die Massage oder führen Sie sie ausschließlich mit Handschuhen durch — niemals mit bloßen Händen auf offener, blutender Haut
- Alles, was mit Blut oder Sekret in Berührung kommt und nicht sterilisierbar ist, wird einmalig verwendet und sofort entsorgt (Watte, Nadeln, Einwegmaterial)
- Verwenden Sie für jeden Kunden frische Einmalware — keine Ausnahmen
- Kleine Verletzungen an den eigenen Händen müssen wasserdicht abgedeckt sein; bei Stich- oder Schnittverletzungen mit kontaminierten Instrumenten sofort ärztlichen Rat einholen (Postexpositionsprophylaxe)
6. Tägliche Hygieneroutine im Studio
- Vor jeder Behandlung: Hände desinfizieren, frische Handschuhe, desinfizierte Liege und Auflagen
- Während der Behandlung: Produkte mit Spatel entnehmen (nie mit den Fingern aus dem Tiegel), Einmalapplikatoren verwenden
- Nach jeder Behandlung: Flächen desinfizieren, Instrumente in die Aufbereitung (Reinigung → Desinfektion → Sterilisation), Wäsche bei mindestens 60 °C waschen
- Regelmäßig: Autoklav warten und Sterilisation dokumentieren, Desinfektionsmittel auf Haltbarkeit prüfen, Hygieneplan schriftlich führen