Chemie ist die Sprache der Kosmetik. Wer versteht, was Atome, Moleküle, pH-Wert und Reaktionen bedeuten, kann Inhaltsstoffe bewerten, Wirkungen erklären und Behandlungen sicherer planen. Dieses Kapitel führt dich in die chemischen Grundlagen ein – leicht verständlich und direkt für die Praxis aufbereitet.
1. Was ist Chemie?
Chemie beschäftigt sich mit Stoffen, ihrer Zusammensetzung, ihrer Umwandlung und den dabei auftretenden Energieänderungen. Im Alltag begegnen wir Chemie überall: im Wasser, in der Luft, in Lebensmitteln und natürlich in Kosmetikprodukten.
2. Atome, Elemente und das Periodensystem
Ein Atom ist die kleinste Einheit eines chemischen Elements. Es besteht aus einem Kern, der positiv geladene Protonen und ungeladene Neutronen enthält, sowie einer Hülle aus negativ geladenen Elektronen.
- Protonen: positiv geladen, bestimmen die Ordnungszahl des Elements.
- Neutronen: ungeladen, beeinflussen die Masse des Atoms.
- Elektronen: negativ geladen, bestimmen die chemischen Eigenschaften und Bindungsfähigkeit.
Elemente sind Stoffe, die nur aus einer Sorte Atome bestehen. Beispiele sind Sauerstoff (O), Wasserstoff (H), Kohlenstoff (C), Stickstoff (N), Schwefel (S) und viele Metalle. Im Periodensystem sind alle Elemente nach ihrer Ordnungszahl geordnet.
Wie verbinden sich Elemente?
Atome verbinden sich, weil sie stabiler werden möchten. Dabei geben sie Elektronen ab, nehmen sie auf oder teilen sie. So entstehen chemische Verbindungen wie Wasser (H₂O), Kohlendioxid (CO₂) oder Salz (NaCl).
- Ionische Bindung: Elektronen werden übertragen, z. B. Natriumchlorid (Kochsalz).
- Kovalente Bindung: Elektronen werden geteilt, z. B. Wasser, Fette, Proteine.
- Wasserstoffbrückenbindung: schwache Anziehung zwischen Molekülen, wichtig für Wasser und Proteine.
Der besondere Fall: Wasserstoff
Wasserstoff ist das kleinste Atom überhaupt: Sein Kern besteht aus nur einem Proton, umgeben von einem einzigen Elektron. Zwei Wasserstoffatome teilen ihre Elektronen und bilden das Wasserstoffmolekül H₂. Sowohl atomarer als auch molekularer Wasserstoff wirken als extrem starke Antioxidantien: Sie neutralisieren freie Radikale, indem sie ihnen ein Elektron liefern – besonders das hochaggressive Hydroxylradikal, das Zellen und Kollagen schädigt und die Haut altern lässt.
Deshalb setzt man Wasserstoff gezielt in der Behandlung ein: Bei Aquafacial-artigen Verfahren wird wasserstoffangereichertes Wasser auf die Haut gebracht. Der Wasserstoff fängt dort oxidativen Stress ab, ohne gesunde Hautbestandteile anzugreifen – er gilt als eines der stärksten und zugleich schonendsten Antioxidantien und unterstützt den Schutz vor vorzeitiger Hautalterung.
3. Chemische Verbindungen und Stoffklassen
In der Kosmetik arbeiten wir ständig mit bestimmten Stoffgruppen. Hier sind die wichtigsten.
Anorganische Verbindungen
- Wasser (H₂O): Lösungsmittel, Feuchtigkeitsspender, Temperaturregler.
- Mineralien und Salze: z. B. Magnesium, Calcium, Zink, Kupfer – wichtig für Hautfunktionen.
- Säuren und Basen: bestimmen den pH-Wert und beeinflussen die Hautbarriere.
- Oxide: z. B. Zinkoxid als mineralischer UV-Filter.
Organische Verbindungen
Eine Summenformel zählt die Atome eines Moleküls (z. B. C₂H₆O). Eine Strukturformel zeigt zusätzlich, wie sie miteinander verbunden sind. In den folgenden vereinfachten Strukturformeln steht ein Strich für eine Bindung und = für eine Doppelbindung; CH₃ und CH₂ fassen die an Kohlenstoff gebundenen Wasserstoffatome zusammen.
Kohlenwasserstoffe
Kohlenwasserstoffe bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Gesättigte Alkane wie Paraffine, Mineralöle und Squalan legen einen Fettfilm auf die Haut, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt – sie finden sich in Fettcremes, Reinigungsölen und Badeölen. Ungesättigte Alkene (z. B. Fettsäuren in Pflanzenölen) pflegen intensiver und flexibler, oxidieren aber leichter und können ranzig werden. Kosmetische Äquivalente: Öl- und Fettphasen von Cremes, Ölseren, Reinigungsöle.
Alkohole
Alkohole tragen eine OH-Gruppe – ihre Wirkung hängt von der Kettenlänge ab. Niedrige Alkohole wie Ethanol desinfizieren und lösen fettlösliche Stoffe, trocknen die Haut in höheren Konzentrationen aber aus (z. B. in Tonics und Desinfektionsprodukten). Fettalkohole wie Cetyl- und Stearylalkohol wirken dagegen pflegend, geben Cremes Konsistenz und stabilisieren Emulsionen. Glycerin, ein Dreifachalkohol, gehört zu den wichtigsten feuchtigkeitsspendenden Kosmetika überhaupt – typisch für Seren, Cremes und Gesichtswasser.
Carbonsäuren
Carbonsäuren enthalten die COOH-Gruppe und sind in der Kosmetik äußerst vielseitig. AHA-Säuren wie Milch- und Glykolsäure lösen Verhornungen und glätten die Haut (Peelingprodukte), Salicylsäure als BHA klärt fettige und akneneigte Haut. Hyaluronsäure bindet ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser und ist der Klassiker unter den Feuchtigkeitswirkstoffen, während Sorbin- und Benzoesäure als Konservierungsmittel arbeiten. Kosmetische Äquivalente: Peeling, Acne-Seren, Feuchtigkeitskonzentrate, Konservierungssysteme.
Hyaluronsäure: Kette und Vernetzung
Hyaluronsäure ist chemisch kein kleines Säuremolekül, sondern ein langes Polysaccharid aus sich wiederholender D-Glucuronsäure und N-Acetyl-D-glucosamin. Unvernetzte Ketten können Wasser binden und werden in Feuchtigkeitsseren eingesetzt. Bei vernetzter Hyaluronsäure verbinden chemische Querbrücken mehrere Ketten zu einem Netzwerk; Eigenschaften und Abbau hängen vom Vernetzungsgrad ab. In der Medizin wird vernetztes Hyaluron unter anderem für injizierbare Filler verwendet – das ist kein kosmetischer Studioeingriff. Die Abbildung zeigt das Prinzip, nicht die atomgenaue Struktur eines bestimmten Vernetzers.
Ester
Ester entstehen, wenn eine Säure mit einem Alkohol reagiert. Sie duften (viele Duftstoffe wie Linalylacetat sind Ester), bilden die Fettphase moderner Cremes (z. B. Isopropylmyristat, Cetylpalmitat) und sind als Triglyceride die Hauptbestandteile der Pflanzenöle. Viele Emulgatoren sind Ester von Fettsäuren mit Glycerin. Kosmetische Äquivalente: Duftkompositionen, Emulgatoren, Ölkomponenten, Nachtkerzen- und Jojobaöl (Wachsester).
Amine und Amide
Amine und Amide enthalten Stickstoff. Über die Amidbindung (Peptidbindung) verknüpfen sich Aminosäuren zu Proteinen – Kollagen, Elastin und Keratin sind die wichtigsten Strukturproteine von Haut und Haaren. Freie Aminosäuren und kurze Peptide wirken in Seren feuchtigkeitsbindend, beruhigend und regenerierend. Kosmetische Äquivalente: Kollagen- und Peptidseren, Feuchtigkeitskonzentrate, Wirkstoffe zur Hautregeneration.
4. pH-Wert – Säure und Base verstehen
Der pH-Wert zeigt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Skala reicht von 0 (sehr sauer) über 7 (neutral) bis 14 (sehr basisch).
- pH < 7: sauer (Säure)
- pH = 7: neutral (z. B. reines Wasser)
- pH > 7: basisch (Base, Lauge)
Die Haut hat einen leicht sauren pH-Wert von etwa 4,7–5,5. Dieser sogenannte Säureschutzmantel schützt vor Krankheitserregern, Trockenheit und Reizungen.
pH-Werte typischer Kosmetikstoffe
- Zitronensaft: pH ca. 2
- Salicylsäure-Peeling: pH ca. 3–4
- Gesichtswasser: pH ca. 4,5–5,5
- Reines Wasser: pH 7
- Seife: pH ca. 9–10
- Natronlösung: pH ca. 8–9
pH der Haut verändern
Den pH-Wert der Haut kannst du durch Produkte gezielt beeinflussen: Säuren wie Milchsäure, Glykolsäure oder Salicylsäure senken den pH-Wert und unterstützen die Verhornung. Basische Produkte oder stark alkalische Reiniger erhöhen den pH-Wert und können die Barriere belasten. Nach einer Säurebehandlung sollte die Haut wieder in ihren sauren Bereich zurückgeführt werden.
5. Was ist eine chemische Reaktion?
Eine chemische Reaktion ist eine Umwandlung von Stoffen. Ausgangsstoffe (Reaktanden) werden zu neuen Stoffen (Produkten). Dabei bleiben Atome erhalten – sie werden nur neu sortiert.
- Oxidation: Abgabe von Elektronen, z. B. beim Kontakt mit Sauerstoff (Hautalterung, Fettranzidität).
- Reduktion: Aufnahme von Elektronen, z. B. durch Antioxidantien wie Vitamin C oder E.
- Hydrolyse: Spaltung mit Wasser, wichtig bei Enzymen und Peelingwirkstoffen.
- Verseifung: Umsetzung von Fetten mit Lauge zu Seife und Glycerin.
Oxidation: Ein Stoff gibt Elektronen ab, meist im Kontakt mit Sauerstoff. In der Kosmetik bedeutet sie das Ranzigwerden von Ölen, den Abbau von Vitamin C in der Creme und oxidativen Stress in der Haut – eine zentrale Ursache vorzeitiger Hautalterung.
Reduktion: Ein Stoff nimmt Elektronen auf. Antioxidantien wie Vitamin C und E wirken reduzierend, indem sie freien Radikalen Elektronen liefern und sie so entschärfen – genau deshalb werden sie in Anti-Aging-Produkten eingesetzt.
Hydrolyse: Wasser spaltet eine Verbindung. In der Kosmetik ist sie z. B. bei enzymatischen Peelings wirksam, die Proteinbindungen der Hornschicht lösen, und beeinflusst die Haltbarkeit wasserhaltiger Produkte.
Verseifung: Fette reagieren mit Lauge zu Seife und Glycerin. Klassische Kernseifen sind stark basisch und können die Hautbarriere belasten – moderne Syndets sind deutlich milder eingestellt.
6. Einführung in die organische Chemie
Organische Chemie beschäftigt sich mit Verbindungen, die Kohlenstoff enthalten. Kohlenstoffatome können lange Ketten, Ringe und verzweigte Strukturen bilden – das macht die organische Chemie so vielfältig.
Kohlenwasserstoffe
- Alkane: gesättigte Kohlenwasserstoffe, z. B. Paraffine, Mineralöle.
- Alkene: ungesättigt mit Doppelbindungen, z. B. Squalen, bestimmte Ölsäuren.
- Alkine: Dreifachbindungen, in der Kosmetik eher selten.
Aminosäuren, Proteine, Fette und Zucker
Diese vier Stoffgruppen sind Grundbausteine des Lebens und spielen auch in der Kosmetik eine große Rolle.
- Aminosäuren: kleine Bausteine von Proteinen. In der Kosmetik z. B. als Feuchtigkeitsspender und Hautberuhiger.
- Proteine: lange Ketten aus Aminosäuren. Keratin im Haar, Kollagen und Elastin in der Haut.
- Fette und Lipide: Energiespeicher und Barrierebausteine. Triglyceride, Phospholipide, Ceramide, Cholesterin.
- Kohlenhydrate: Einfach-, Zweifach- und Vielfachzucker; sie können Feuchtigkeit binden, die Textur verbessern oder als Ausgangsstoff für Zuckertenside dienen. Glycerin ist dagegen ein Zuckeralkohol und kein Kohlenhydrat.
Zucker: Glucose, Lactose, Saccharose und Cellulose
Glucose (Traubenzucker, C₆H₁₂O₆) ist ein Monosaccharid mit mehreren OH-Gruppen; in wässriger Lösung liegt sie überwiegend als Ring vor. In kosmetischen Formulierungen kann Glucose Feuchtigkeit binden. Lactose (Milchzucker, C₁₂H₂₂O₁₁) besteht aus Galactose und Glucose. Sie kann beispielsweise als Trägerstoff in Pulvern dienen, ist aber kein lebendes Probiotikum. Saccharose (Haushaltszucker, C₁₂H₂₂O₁₁) verbindet Glucose und Fructose: als Kristall wirkt sie mechanisch peelend, als Sucrose Stearate ist ihr chemisch abgeleitetes Esterprodukt ein Emulgator. Cellulose ((C₆H₁₀O₅)ₙ) ist eine lange Kette aus Glucosebausteinen; Cellulose und ihre Derivate dienen etwa als Verdicker, Filmbildner und Strukturgeber.
Präbiotika sind Stoffe, die das Wachstum bestimmter Mikroorganismen begünstigen können; kosmetische Beispiele sind Inulin und Alpha-Glucan Oligosaccharide. Ein Probiotikum bezeichnet dagegen lebende Mikroorganismen in ausreichender Menge – kosmetische „probiotische“ Produkte enthalten häufig nur Fermente, Lysate oder Postbiotika und nicht zwingend lebende Kulturen. Solche Inhaltsstoffe werden zur Unterstützung des Hautmikrobioms vermarktet; ihre Wirkung hängt von Formulierung und Studienlage ab. Nicht jeder Zucker ist automatisch präbiotisch.
7. Alkohole in der Kosmetik
Nicht jeder Alkohol ist gleich. Der Begriff umfasst eine ganze Stoffgruppe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften.
Niedrige Alkohole (kann austrocknend wirken)
- Ethanol (Ethylalkohol, C₂H₅OH): Desinfektionsmittel, Lösungsmittel, Konservierungsverstärker. In hohen Konzentrationen kann er die Haut austrocknen.
- Isopropanol: häufig in Desinfektionsmitteln, nicht für die Pflegehaut gedacht.
- Methanol: giftig, in Kosmetik nicht erlaubt!
Höhere und fettige Alkohole (pflegend)
- Cetylalkohol, Stearylalkohol, Cetearylalkohol: Emulgatoren und Texturgeber, machen Cremes geschmeidig, ohne auszutrocknen.
- Glycerin (Propantriol): stark feuchtigkeitsspendend, zieht Wasser an.
- Propandiol, Butylenglykol: Lösungsmittel und Feuchtigkeitsspender.
8. Konservierungsmittel
Kosmetikprodukte enthalten Wasser und Nährstoffe – ein idealer Nährboden für Mikroorganismen. Konservierungsmittel schützen das Produkt und den Anwender vor Verkeimung.
- Parabene: sehr wirksam, aber umstritten; in Naturkosmetik oft vermieden.
- Phenoxyethanol: weit verbreitet, gut verträglich in niedrigen Konzentrationen.
- Sorbinsäure / Benzoesäure: schwache Säuren, wirken bei saurem pH.
- Alkohol: in hohen Konzentrationen selbst konservierend.
- Natürliche Konservierungsstoffe: z. B. Rosmarinextrakt, Salicylsäure, bestimmte ätherische Öle.
9. Wichtige Kosmetik-Wirkstoffe nach Funktion
Inhaltsstoffe lassen sich nach ihrer Hauptwirkung einteilen. Hier ist eine praxisnahe Übersicht.
Feuchtigkeitsspendend (humectants)
- Glycerin: ein dreiwertiger Alkohol, der Wasser anzieht und die Hornschicht geschmeidig hält.
- Hyaluronsäure: ein wasserbindendes Polysaccharid; je nach Molekülgröße und Formulierung bildet es einen Feuchtigkeitsfilm oder unterstützt die oberflächliche Hydratation.
- Urea (Harnstoff): Bestandteil des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF); in höherer Konzentration kann sie zusätzlich Verhornungen lösen.
- Aloe Vera: das Blattgel enthält unter anderem Polysaccharide und wird wegen seiner feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Eigenschaften eingesetzt.
- Propandiol / Butylenglykol: diese mehrwertigen Alkohole dienen als Feuchthaltemittel und Lösungsmittel für weitere Inhaltsstoffe.
Antioxidativ
- Vitamin C (Ascorbinsäure): ein wasserlösliches Antioxidans; es unterstützt die Kollagensynthese und kann bei regelmäßiger Anwendung das Erscheinungsbild von Pigmentflecken verbessern.
- Vitamin E (Tocopherol): ein fettlösliches Antioxidans, das Lipide in Formulierungen und auf der Haut vor Oxidation schützen kann.
- Coenzym Q10: ein körpereigenes Molekül der Zellenergiegewinnung; als kosmetischer Wirkstoff wird es vor allem wegen seiner antioxidativen Eigenschaften verwendet.
- Grüntee-Extrakt: enthält Polyphenole wie EGCG; die antioxidative Wirkung hängt von Extrakt, Konzentration und Stabilität ab.
- Resveratrol: ein pflanzliches Polyphenol mit antioxidativen Eigenschaften; Licht und Formulierung beeinflussen seine Stabilität.
- Niacinamid: eine Form von Vitamin B3; unterstützt die Hautbarriere und kann das Erscheinungsbild von Rötungen, Talg und ungleichmäßigem Hautton verbessern.
Regenerierend und barriereschützend
- Ceramide: Hautlipide zwischen den Hornzellen; in Cremes helfen sie, eine gestörte Barriere zu pflegen.
- Cholesterin: natürlicher Bestandteil der Hautlipide und wichtiger Partner von Ceramiden und freien Fettsäuren in Barriereformulierungen.
- Freie Fettsäuren: ergänzen die Lipidmatrix der Hornschicht; ihre Art und Mischung bestimmen die Eigenschaften einer Creme mit.
- Panthenol (Provitamin B5): bindet Feuchtigkeit und wird in beruhigenden Pflegeprodukten für beanspruchte Haut eingesetzt.
- Allantoin: hautpflegender Inhaltsstoff, der raue Haut glatter wirken lässt und in milden Formulierungen verbreitet ist.
- Bisabolol: ein Bestandteil der Kamille beziehungsweise synthetisch herstellbar; wird in Pflege für empfindliche Haut verwendet.
Stimulierend und zellerneuernd
- Retinol und Retinoide: Vitamin-A-Derivate fördern die Erneuerung der Epidermis und können feine Linien und Unreinheiten mildern; langsam einführen und Sonnenschutz beachten.
- Glykolsäure / Milchsäure: diese AHA lösen abgestorbene Hornzellen; Konzentration und pH-Wert bestimmen die Stärke eines Peelings.
- Salicylsäure: diese BHA ist fettlöslich und wird vor allem für ölige, zu Unreinheiten neigende Haut verwendet.
- Peptide: kurze Ketten aus Aminosäuren; je nach Sequenz und Formulierung werden sie als Feuchthalte- oder Signalwirkstoffe eingesetzt.
- Niacinamid: unterstützt neben der Barriere auch einen ebenmäßiger wirkenden Hautton; es wird deshalb oft in Pflege gegen Unreinheiten kombiniert.
- AHA- und BHA-Säuren: AHA wirken überwiegend an der Hautoberfläche, BHA eignen sich besonders für talgige Haut; zu häufige Anwendung kann reizen.
Natürlicher vs. synthetischer Ursprung
Natürliche Stoffe kommen aus Pflanzen, Mineralien oder tierischen Quellen. Synthetische Stoffe werden im Labor hergestellt. Beide können sicher und wirksam sein. Entscheidend ist Qualität, Reinheit, Konzentration und wissenschaftliche Belegung – nicht allein die Herkunft.
10. Kosmetik selbst herstellen – Chemie zum Anfassen
Kosmetik lässt sich auch selbst herstellen. Wer einmal eine Emulsion mit eigenen Händen gerührt hat, versteht Emulgatoren, pH-Wert, Konservierung und Wirkstoffstabilität deutlich besser als aus jedem Lehrbuch. Wichtig ist die klare Trennung: Was in der eigenen Küche entsteht, ist ein Lernobjekt – kein verkehrsfähiges Produkt.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland
Für kosmetische Mittel gilt die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 zusammen mit der deutschen Kosmetik-Verordnung. Wer ein Produkt in Verkehr bringt – auch beim Verkauf kleiner Mengen oder bei der Abgabe an Kundinnen – ist „verantwortliche Person“ und muss vorher folgende Nachweise erbringen:
- Sicherheitsbewertung durch eine qualifizierte Person (Cosmetic Product Safety Report, CPSR)
- Produktinformationsdatei (PIF) mit Rezeptur, Rohstoffspezifikationen und Herstellprotokoll
- Physikalisch-chemische Prüfung: pH-Wert, Viskosität, Dichte, Aussehen, Geruch
- Mikrobiologische Prüfung: Keimzahlbestimmung und Konservierungsbelastungstest (Challenge-Test nach ISO 11930)
- Stabilitäts- und Belastungsprüfung: Lagerung bei 4 °C, 25 °C, 40 °C, Zentrifugation, Frost-Tau-Zyklen; daraus ergeben sich Mindesthaltbarkeit und PAO
- Dermatologische Prüfung: Verträglichkeitstest (z. B. Patch-Test) unter dermatologischer Kontrolle
- Herstellung nach GMP (ISO 22716), Kennzeichnung nach INCI und CPNP-Notifizierung
Hygiene und Ausrüstung
- Alle Gefäße, Rührer und Spatel vorher mit 70–80 % Ethanol desinfizieren und trocknen lassen.
- Nur gereinigtes Wasser verwenden (destilliert oder demineralisiert), nie Leitungswasser.
- Feinwaage mit 0,01 g Auflösung, zwei Bechergläser, Thermometer, Handmixer oder Milchschäumer, pH-Teststreifen oder pH-Meter.
- Saubere Arbeitskleidung, Handschuhe, Haare zurückgebunden.
- Konservierung ist bei jedem wasserhaltigen Produkt Pflicht – ohne Konservierungsmittel wächst innerhalb weniger Tage ein Keimrasen.
Rezept 1: Mildes Waschgel für das Gesicht (100 g)
- 58,0 g gereinigtes Wasser
- 25,0 g Coco-Glucosid (mildes Zuckertensid)
- 8,0 g Natriumcocoylglutamat (Aminosäuretensid, sehr hautfreundlich)
- 3,0 g Glycerin (Feuchthaltemittel)
- 1,5 g Panthenol (D-Panthenol, beruhigend)
- 1,0 g Aloe-vera-Pulver-Lösung oder Aloe-Saft
- 0,5 g Xanthan Gum (Verdicker)
- 0,3 g Allantoin
- 1,0 g Ethylhexylglycerin (Konservierungsverstärker und Feuchthaltemittel)
- 1,0 g Lactobacillus Ferment (fermentbasierte Konservierung)
- 0,7 g Milchsäure 80 % zur pH-Einstellung auf 5,0–5,5
- 1. Xanthan Gum mit Glycerin anrühren (Slurry) – so klumpt es nicht.
- 2. Wasser zugeben und mit dem Rührer klarquellen lassen.
- 3. Tenside langsam einrühren, nicht schlagen (Schaumbildung vermeiden).
- 4. Panthenol, Allantoin, Aloe zugeben.
- 5. Ethylhexylglycerin und Lactobacillus Ferment einrühren.
- 6. pH messen und mit Milchsäure tropfenweise auf 5,0–5,5 senken.
- 7. In eine desinfizierte Pumpflasche abfüllen, Datum notieren, kühl und dunkel lagern, innerhalb von 4–6 Wochen verbrauchen.
Rezept 2: Einfache Urea-Creme, O/W-Emulsion (100 g)
Eine Creme ist eine Emulsion: Öl und Wasser werden mit Hilfe von Emulgatoren und mechanischer Energie zu einem stabilen System verbunden. Die Fettphase liefert Pflege und Okklusion, die Wasserphase Feuchtigkeit und Wirkstoffe.
- Fettphase (ca. 22 g): 6,0 g Mandelöl, 4,0 g Pfirsichkernöl, 4,0 g Cetylalkohol (Konsistenzgeber), 4,0 g Glycerylstearat SE (Emulgator), 2,0 g Sucrose Stearate oder Polyglyceryl-3-Stearat (Co-Emulgator), 2,0 g Sheabutter
- Wasserphase (ca. 68 g): 60,0 g gereinigtes Wasser, 5,0 g Urea (Harnstoff), 3,0 g Glycerin, 0,3 g Xanthan Gum
- Abkühlphase (ca. 10 g): 1,0 g Vitamin E (Tocopherolacetat), 0,5 g Vitamin C als stabiles Derivat (Ascorbylglucosid oder Ethyl Ascorbic Acid, in wenig Wasser gelöst), 1,5 g Panthenol, 1,0 g Ethylhexylglycerin, 1,0 g Lactobacillus Ferment, Restwasser zum Ausgleich, Milchsäure zur pH-Korrektur
Herstellung Schritt für Schritt
- 1. Zwei Bechergläser vorbereiten: eines für die Fettphase, eines für die Wasserphase.
- 2. Beide Phasen getrennt im Wasserbad auf 70–75 °C erwärmen. Cetylalkohol, Glycerylstearat und Sheabutter müssen vollständig geschmolzen sein; Urea und Xanthan Gum in der Wasserphase vollständig gelöst bzw. gequollen sein.
- 3. Bei gleicher Temperatur die Wasserphase langsam und in dünnem Strahl in die Fettphase gießen (oder umgekehrt, je nach Emulgatorsystem).
- 4. Sofort 2–3 Minuten mit dem Handmixer bzw. Stabmixer homogenisieren – hier entsteht die Emulsion. Danach mit dem Spatel weiterrühren, bis die Masse eindickt.
- 5. Unter 40 °C abkühlen lassen und weiterrühren; die Creme wird beim Abkühlen deutlich fester.
- 6. Erst jetzt die hitzeempfindlichen Wirkstoffe zugeben: Vitamin C-Derivat, Vitamin E, Panthenol, Konservierung.
- 7. pH-Wert prüfen und auf 5,0–5,5 einstellen (Urea braucht ein leicht saures Milieu, sonst zerfällt es zu Ammoniak).
- 8. In desinfizierte Tiegel oder besser in einen Airless-Spender abfüllen, beschriften, kühl lagern.
- 9. Über 2–4 Wochen beobachten: Trennt sich die Emulsion? Ändert sich Geruch, Farbe oder pH? Das ist die eigene kleine Stabilitätsprüfung.

Zusammenfassung
- Chemie erklärt, aus was Stoffe bestehen und wie sie sich verändern.
- Atome aus Protonen, Neutronen und Elektronen bilden Elemente und Verbindungen.
- Der pH-Wert der Haut liegt leicht sauer bei ca. 4,7–5,5.
- Organische Chemie umfasst Aminosäuren, Proteine, Fette, Zucker und Alkohole.
- Nicht alle Alkohole sind schädlich – Fettalkohole pflegen die Haut.
- Konservierungsmittel schützen Produkte vor Verkeimung.
- Wirkstoffe lassen sich nach Feuchtigkeit, Antioxidation, Regeneration und Stimulation einteilen.
- Wasserstoff (H₂) wirkt als stärkstes Antioxidans und wird z. B. bei Aquafacial-Behandlungen eingesetzt.